Künstliche Intelligenz im Einkauf

Künstliche Intelligenz im Einkauf: Übernehmen die Bots?

Der Einsatz künstlicher Intelligenz im Einkauf ist mit hohen Erwartungen verbunden: Planung und Umsetzung von Procurement-Entscheidungen sollen durch die intelligenten Anwendungssysteme gänzlich verselbständigt werden und dabei fehlerfrei ablaufen. Sind die utopischen anmutenden Szenarien des Einkaufs durch Bots realistisch?

Zur Entstehung des Begriffes „Künstliche Intelligenz”

Der Traum von der Arbeit, die sich durch Maschinenkraft von selbst erledigt, während die Menschen ihren bevorzugten Beschäftigungen nachgehen können, geht weit in unsere Kulturgeschichte zurück. Hinweise auf roboterähnliche Wesen mit menschlichen Verhaltensweisen finden sich schon in der Antike: Der „Homunkulus”, ein künstlich erzeugtes Geschöpf, das wie ein Mensch aussieht, wird bereits von Cicero und anderen zeitgenössischen Autoren erwähnt. Auch im jüdischen Golem-Mythos ist das Bild des aus Lehm geschaffenen, menschenähnlichen, außergewöhnlich großen und starken Wesen festgeschrieben. Besonders interessant ist, dass der Golem, obwohl kein Mensch, Aufträge von Menschen verstehen und ausführen kann – also so etwas wie künstliche Intelligenz besitzt. Kulturhistorische Bedeutung gewinnen der Homunkulus und artverwandte Mythen vor allem im Spätmittelalter, als alchemistische Konzepte Einzug in die Wissenschaften finden.

Diese Periode kann in der Nachbetrachtung durchaus als Startschuss zur Entwicklung des KI-Konzeptes betrachtet werden. Den aus heutiger Sicht reichlich absurd anmutenden alchemistischen Vorstellungen über die Erzeugung künstlichen Lebens aus den vier Elementen, durch gesteuerte Verwesungsprozesse oder durch die Destillierung menschlichen Blutes folgten nach und nach realistischere Diskurse. Sie bilden schlussendlich die kulturgeschichtliche Grundlage für viele heute angewandte biotechnologische Verfahren und Forschungsprojekte. Die genetische Veränderung von Lebewesen oder die Bionik – Praktiken, in deren Mittelpunkt der Wunsch nach einer Verbindung von menschlichen Eigenschaften mit technisch-künstlichen Anwendungen steht – gehören längst zu unserem Alltag. Gleichzeitig wurde und wird immer wieder davor gewarnt, welche Gefahren solche Verfahren mit sich bringen können – nicht zuletzt Goethe’s Faust thematisiert diesen Widerspruch zwischen wissenschaftlicher Faszination und individueller Verantwortung, der auch zeitgenössische (bio-)ethische Diskussionen prägt.

Und das mit gutem Grund: Heute sind wir längst an einem Punkt angelangt, an dem künstliche Intelligenz mit Selbstverständlichkeit erforscht, weiterentwickelt und auch in der Wirtschaft eingesetzt wird – unter anderem in der Produktion und im Einkauf. Mit diesem letzten Bereich wollen wir uns im folgenden Beitrag genauer auseinandersetzen.

Was versteht man eigentlich unter künstlicher Intelligenz?

Der Begriff „Künstliche Intelligenz” (KI) kommt aus der Informatik. Er bezeichnet Ansätze in der Automatisierung, die sich mit der Einbeziehung intelligenter Verhaltensmuster und Entscheidungsstrukturen in digitale Strukturen beschäftigen. Anders ausgedrückt: Die Intention der KI-Entwickler ist es, Systeme dazu zu bringen, wie Menschen zu denken und zu entscheiden. Das ist aber nicht alles: Die Systeme müssen lernfähig sein – sie sollen menschliche Entscheidungen ja verbessern und weniger fehleranfällig machen. Dazu benötigen sie vor allem große Mengen an Daten und die Fähigkeit, diese zu vernetzen, zu analysieren, zu interpretieren und daraus sinnvolle Entscheidungen abzuleiten. Künstliche Intelligenz soll also – jedenfalls im wirtschaftlichen Bereich – nicht einfach Menschen nachahmen oder menschliches Wissen und Know-how ersetzen, sondern als intelligentes Tool Prozesse beschleunigen und optimieren.

Künstliche Intelligenz im Einkauf: Wie funktioniert sie und wo kann sie unterstützen?

Einkaufsplanung – das sogenannte Procurement – setzt vor allem einen guten Blick für zukünftige Entwicklungen voraus. Mit der weitgehenden Digitalisierung der Arbeitswelt erhielten Beschäftige in Einkaufsabteilungen bereits zahlreiche Möglichkeiten, Einkaufsprozesse mittels softwareunterstützer Werkzeuge zu erledigen. Die künstliche Intelligenz kann als Weiterentwicklung dieser Werkzeuge betrachtet werden. Das ermöglicht unter anderem eine Konsolidierung der zahlreichen unterschiedlichen Systeme, die im Einkauf genutzt werden, wie elektronische Kataloge, ERP- und SRM-Systeme, Contract Management, eProcurement und viele weitere. Ohne BigData-Analysen ist Produktentwicklung kaum mehr denkbar, und die strategischen Überlegungen dazu betreffen auch die Einkaufabteilungen.

Hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel: Ihre Aufgabe ist es, aus der Unzahl an Daten und Informationen, die in Unternehmen gesammelt werden – oft ohne direkten Nutzen daraus zu ziehen – das Essenzielle zu erfassen und strategisch verwertbar aufzubereiten. Konkret kann das je nach Unternehmensziel bedeuten, dass

  • Planung und Steuerung von Einkaufsprozessen automatisiert und optimiert werden
  • mittels intelligenter Analysen Potenziale und mögliche Strategien entwickelt werden
  • Redundanzen und ineffektive Prozesse reduziert oder sogar vermieden werden
  • vorhandene Daten automatisch kategorisiert werden können
  • mittels Simulation gezieltere Vorhersagen getroffen werden können

Wie kann die KI den Einkauf optimieren?

Schon heute zeichnet sich ab, dass die Aufgaben des Procurement zunehmend in andere Bereiche abwandern oder mit diesen geteilt werden. Eine enge Zusammenarbeit mit Produktentwicklungsabteilungen ist üblich, und hier lassen sich über künstliche Intelligenz im Einkauf Synergien erzielen. Die automatisierten Systeme übernehmen Vertragserstellung, Berechnungen, Kosten- und Nutzen-Analysen und korrigieren Fehler, bevor diese zum Nachteil für das Unternehmen werden. Es bleibt somit mehr Zeit für persönliche Kommunikation, kreatives Denken, Entwicklung von neuen Schnittstellen zu Anbietern, Entwicklern und Lieferanten.

Chancen und Hindernisse: Was muss beim Einsatz von künstlicher Intelligenz im Einkauf beachtet werden?

Allein auf Technik zu setzen und Einkaufsabteilungen in absehbarer Zukunft aufzulösen – das ist wohl kein realistisches und auch kein erwünschtes Szenario. KI kann Menschen nicht ersetzen und soll es auch nicht – die „menschlichen” Eigenschaften der künstlichen Intelligenz sollen vielmehr Unterstützung für automatisierte Prozesse bieten, indem sie Bedürfnisse von Produzenten und Kunden besser in diese integrieren. Darin liegt auch die große Chance der KI: Maschinelles Lernen erleichtert Abläufe, die bisher aufwändiger Kontrolle unterlagen. Wer sucht schon gerne Fehler aus Excel-Dateien oder erstellt Vertragsentwürfe, für die es bereits unzählige Vorlagen gibt?

Dennoch, bis die technische Entwicklung so weit fortgeschritten ist, dass KI-Systeme im Einkauf fehlerfrei arbeiten und Bots die meisten Aufgaben übernehmen können, wird noch einige Zeit vergehen. Nicht übersehen werden sollte auch, dass nicht bekannt ist, wo die Grenzen des maschinellen Lernens liegen und ob die Erwartungen vielleicht etwas zu hoch geschraubt sind. Auch die Kosten für Implementierung und Wartung der Systeme sind ein Faktor, der bei der Entscheidung mitspielen sollte.

Veröffentlicht am 29. Juni 2018, von

Geschrieben von:

Maximilian Kramer

Maximilian Kramer ist Serial Entrepreneur, Online Marketer und Mitbegründer der eldurado GmbH. Sein Fokus im Bereich Digitalisierung liegt auf der Prozessautomatisierung und Optimierung mit modernsten Technologien. Durch seine berufliche Laufbahn kennt er sowohl die Herausforderungen traditioneller Unternehmen als auch den Weg zur digitalen Champions League. Sein Ziel ist die gewinnbringende und zukunftsweisende Symbiose beider Welten.